Erfrischendes Experiment an einem heissen Tag

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Wow, schon wieder liegt ein wundervoll-sonniger und heisser Tag vor uns, was für ein Geschenk! Geniesst du es auch so, bereits früh am Morgen von der Wärme umarmt zu werden, wenn du den ersten Schritt nach Draussen machst? Die Sonne blinzelt dir zu, Jacke und Schirm bleiben im Schrank. Luftig gekleidet geht‘s raus in den Garten, in die Stadt oder zur Arbeit. Draussen essen, durchatmen, Sommer pur!

Ans Aufräumen denkst du dabei wohl zuletzt, stimmt‘s? Genau, wenn‘s dann kühler ist, wenn das Timing stimmt und wenn überhaupt alles zusammenpasst, wirst du es anpacken, bestimmt! Ja, so geht das oft wochen- und monatelang, wenn nicht über Jahre. Das volllgepackte Zimmer, die Gerümpelecke bewegen sich keinen Millimeter, jedenfalls nicht in eine gute Richtung.

Je mehr Sachen bereits herumliegen, desto kleiner ist die Hemmschwelle, noch was hinzulegen. 

Und ich kann gut verstehen, dass du heute bei 30 Grad am Schatten keinen Bock auf Ausmisten hast. Jede Bewegung treibt einem den Schweiss auf die Stirn! Bist du bereit für ein Experiment, das dir garantiert keinen Hitzeschub beschert? Wie wäre es, wenn du nächstes Mal, wenn du den Gedanken hast: „Ich muss endlich aufräumen!“ das Wörtchen muss ersetzt durch ich kann, darf oder will? Auch wenn du dich dabei keinen Millimeter in die Richtung deiner Unordnung bewegst, schau‘ mal, was es für einen Unterschied macht.

 

Was passiert, wenn man seine eigenen Spielregeln ändert.

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Montagabend habe ich immer zur gleichen Zeit ein Telefoncoaching mit einer Dame in den Sechzigern aus dem Baselbiet, die ihre Dachwohnung entrümpeln möchte. Wobei MÖCHTE vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck dafür ist. Nachdem sich Handwerker angekündigt haben, ist aus dem WOLLEN und DÜRFEN ganz akut ein MÜSSEN geworden. Es geht um’s Image.

Jedenfalls hat sie einen festen Plan, an den sie sich hält: Einmal pro Woche ist Aufräumtag. Und damit hat sie vielen Leuten schon etwas voraus, mit dem Plan, meine ich. Letzte Woche rief sie mich wie vereinbart an und erzählte mir, warum sie überhaupt nicht zum Aufräumen gekommen sei. Wobei sie sich natürlich nicht zu rechtfertigen braucht. Doch es war ihr wichtig, mir zu schildern, wie ihr Tag verlaufen war. Sie hatte am Morgen länger geschlafen als üblich und nach dem ersten Kaffee den Briefkasten geleert. Dort fand sie die Abrechnung der letzten Heizperiode, welche von ihrer Verwaltung mit Verspätung zugestellt worden war. Dass sie eine Nachzahlung zu leisten hatte regte sie auf, zumal die Akontokosten massiv angehoben worden waren.

Dazu kam, dass die Auflistung nach ihrer Meinung nicht korrekt war. Sie suchte – und das ziemlich lange – die Unterlagen vom Vorjahr hervor und verglich die Zahlen, was einige Zeit in Anpruch nahm. Dazu unterhielt sie sich mit mehreren Nachbarn, wobei sich herausstellte, dass diese allesamt eine Gutschrift erhalten hatten, was ihr ebenfalls suspekt war. Ein Telefon an die Verwaltung mit einer leider nicht sehr kompetenten Mitarbeiterin vertrödelte weitere 20 Minuten. Und so ging es weiter bis Mitte Nachmittag.

Das Resultat: Meine Kundin war genervt, hatte nichts aufgeräumt bzw. bei der Suche zusätzliche Zwischenstapel produziert, kein Mittagessen zu sich genommen, die vereinbaren kurzen Pausen (10 Minuten pro volle Stunde) komplett vergessen und dazu plagten sie Kopfschmerzen. „Dieser Tag war mal wieder völlig für d Füchs!“, meinte sie und legte eine erwartungsvolle Pause ein. Ich wartete und als sie merkte, dass ich keine Antwort gab (es hatte ja auch niemand eine Frage gestellt), doppelte sie nach: „Wie soll ich so vorwärts kommen?“

Ich fragte sie, ob es die Möglichkeit gebe, dass sie am kommenden Tag einen Teil des Aufräumens nachholen würde? „Unmöglich. Am Dienstag mache ich xx, am Mittwoch yy, am Donnerstag zz und am Freitag geht es eh nicht. Normalerweise würde sie so Bürogschmäus immer am Wochenende erledigen.“ Ich fragte sie, warum sie nicht bis dann gewartet hatte und schmunzelte schon in mich hinein (ich hätte es nämlich auch nicht gemacht :-). „Es war mir zu wichtig und ich wollte das erledigt haben.“ Eine gute Haltung fand ich, doch leider hatte das Miniprojekt Dimensionen angenommen, mit denen sie nicht gerechnet hatte. „Wie wäre es gewesen, wenn Sie statt so lange nach der Abrechnung zu suchen gleich der Verwaltung angerufen hätten, um sich an einem anderen Tag einen Termin geben zu lassen (liegt zwei Busstationen entfernt, wie sie mir verriet) und gleich einzuflechten, dass sie gerne erklärt haben möchten, wie die Abweichung gegenüber dem Vorjahr zustandegekommen sei?“ Daran hätte sie gar nicht gedacht, meinte sie dazu.

Und was wäre schlimm daran, wenn sie diesen einen Tag halt einfach „abschreiben“ würde und in der Rubrik „gut gestartet und völlig woanders gelandet“ ablegen würde in ihrem Kopf?

Das brachte sie dann doch ein wenig ins Grübeln. „Sie wollen damit sagen, ich sei selber schuld?“, fragte sie etwas kleinlaut. Ich erklärte ihr, dass sie sich das mit der Schuld abschminken könne, das helfe niemandem. Es gehe mir mehr darum, dass sie sich selber offenbar keinen Spielraum gelassen habe. Der fixe Plan war, aufzuräumen. Das hatte sie offensichtlich nicht gemacht – im Gegenteil. Das sei eine Entscheidung. Statt den Brief beiseite zu legen, habe sie begonnen, die Unterlagen von letztem Jahr zu suchen, obwohl sie vermutet hatte, dass es einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Das sei die nächste Entscheidung, die sie getroffen habe. Nachdem das Vergleichen und Nachrechnen nichts gebracht hatte, hätte sie sich an ihre Nachbarn auf der Etage gewendet und hätte mit diesen das Thema intensiv diskutiert. Auch eine Entscheidung. Und dann 20 Minuten mit der Frau von der Verwaltung verbracht, obwohl sie schon zu Beginn merkte, dass die gute Dame nicht wirklich durchblickte. Schon wieder eine Entscheidung gefällt. So zog sich der Tag dahin, die Chose wurde je länger je unerfreulicher, der Energiepegel sank, die Laune ebenfalls und der Frust darüber, dass das Aufräumen flach gefallen war, war grenzenlos.

Natürlich ist es einfach, zurückzublicken und dies zu erkennen, vor allem, wenn wir Aussenstehende sind. Und doch kann es hilfreich sein, mal zu schauen, wo die ganze Zeit hingekommen ist. Und wenn wir ganz ehrlich mit uns sind, ist es manchmal vielleicht sogar ganz praktisch, dass uns etwas dazwischenkommt oder sagen wir besser, wir etwas dazwischen lassen, das unseren Plan durchquert. Und das ist nicht böse gemeint, das ist menschlich. Wenn wir so fest an unserem Vorhaben festhalten, uns zeitlich keinen Spielraum und keine Alternative gönnen, wird es eng – für unser Vorhaben und speziell in unserem Kopf; das muss ja weh tun.

Wenn bei dir das nächste Mal nicht alles nach Plan läuft – dann mach‘ dich nicht noch selber fertig und runter. Hast du es eilig, gehe langsam, heisst es nicht umsonst.

Letzthin fragte mich jemand, was ich denn mache, wenn ich so viel Arbeit habe, dass ich nicht mehr wisse, wo mir der Kopf steht? 10 Minuten Pause.