Der vermeintlich hoffnungslose Fall.

psychisch-krank

Ich war doch etwas nervös, als ich bei den „Messies“ (wie sie von meinem Netzwerkpartner mit einem etwas hilflosen Lächeln genannt wurden) läutete, um einen Augenschein zu nehmen. Er hatte die BewohnerInnen, ein Ehepaar mittleren Alters im Grossraum Zürich, besucht, um sich als potenzieller Vertreter eines Finanzierungsinstituts vorzustellen. Der Besuch hatte nicht lange gedauert, er hatte sich weder hingesetzt noch den angebotenen Kaffee getrunken. Das einzige, was er wollte, war: raus! Ihm standen die Haare zu Berge, als er sah, wie diese Leute seit Jahren hausten. Er rief mich an, noch sichtlich geschockt und schilderte mir die Situation. Er bat mich, Kontakt aufzunehmen und vorbeizugehen, um mir die Sache vor Ort anzuschauen. Und da war ich nun.

Der Weg zur Haustüre führte mich an Dutzenden von prall gefüllten Abfallsäcken vorbei, ich läutete und wartete. Nichts geschah. Ich läutete nochmals und dann, nach einer Weile wurde mir die Türe geöffnet. Entgegen blickte mir ein leicht zerzaustes Ehepaar. Sie machten zuerst keine Anstalten, mich rein zu lassen. Ich lächelte freundlich, stellte mich vor und bat darum, näher treten zu dürfen.

Die Wohnform hatte noch nicht das Stadium erreicht, wie es dem einen oder anderen aus den Fernsehsendungen bekannt ist. Tröstlicherweise bewegten sich auch keine Essensreste wie von Zauberhand durch die Räume. Ich verzichtete auf den Kaffee und fragte, ob ich mich setzen dürfte, worauf der Fauteuil freigeräumt wurde.

Der Rundgang durch das mehrstöckige Haus war beeindruckend. Noch beeindruckender war, wie sehr die Beiden sich gegenseitig schützten und stützten. Keiner war verlegen, mir zu erklären, warum der andere in letzter Zeit überhaupt keine Möglichkeit hatte, aufzuräumen, Kleider einzusortieren, die dreckigen Pfannen mit Essensresten anzupacken oder gar das Bad zu putzen. Das Bild zog sich erwartungsgemäss durchs ganze Haus.

Wir einigten uns darauf, dass wir – in den drei verbleibenden Wochen – gemeinsam das Haus in einen Zustand bringen wollten, bei dem der Finanzierungsexperte zumindest darüber nachdenken würde, ein Geschäft mit ihnen abzuschliessen. Wie hatte er so schön gesagt: „Der Geschäftsmann in mir sagt, lass die Finger davon, das gibt nur Ärger. Mein Herz sagt mir, gib diesen beiden Menschen noch eine Chance.“

Nach mehreren Aufräumtagen, die geprägt waren von Motivationsschüben und Heulkrämpfen (ich wusste mittlerweile, wo die Kleenex zu finden sind) hatten wir ein mehr als passables Bild geschaffen. Ein professionelles Reinigungsinstitut verpasste den Räumen den letzten Schliff. Die Finanzierung klappte, die Leute waren vor Freude ganz aus dem Häuschen und dankten mir mit einem schönen Päckchen, einer liebevoll gestalteten Fotocollage und einer feinen Flasche Wein.

Warum ich Ihnen das erzähle? Es gibt keine hoffnungslosen Fälle. Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Es gibt Menschen, die sich selbst aufgegeben haben. Aus Scham und Schuldgefühlen heraus, die ihnen einreden, dass sie nicht mal so etwas Einfaches wie Aufräumen auf die Reihe kriegen. Manchmal brauchen wir einen Schupf, jemanden, der uns wie mit einem Fingerschnippen aus dem Tiefschlaf holt, schüttelt und schaut, dass wir wieder klar im Kopf werden, uns auf das besinnen, was uns wichtig ist. Und es ist nie zu spät, damit zu beginnen…

Wussten Sie, dass unordentliche Menschen absolute Perfektionisten sind?

potentialschmiede-perfektionismus

So beginnt eines meiner Referate. Das lässt aufhorchen, die Aufmerksamkeit ist mir sicher. Was, das kann doch nicht sein! Oh doch. Und zwar warten sie auf den perfekten Moment. Den Augenblick, in dem sie genügend motiviert sind, genug Zeit haben und Lust am liebsten auch noch? Worauf? Die Wohnung oder das Haus aufzuräumen, im Büro mal wieder abzulegen und längst nicht mehr gebrauchte Unterlagen zu entsorgen.

Die Idee wäre ja grundsätzlich gut. Nur, seien wir ehrlich, wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie nach einer strengen Woche im Job am Samstagmorgen, wo Sie endlich mal frei haben, aus dem Bett schiessen wie ein Pfeil und es kaum erwarten können, Ihren Kleiderschrank auszumisten? Eher bescheiden, vermute ich mal.

Das Fatale an dieser Vorgehensweise, so logisch und schlüssig sie auf den ersten Blick scheinen mag, ist dass es nicht nur an dem besagten Samstag nichts passiert, weil gerade schönes Wetter ist, Sie lieber ausschlafen und einen ausgiebigen Brunch geniessen, schon etwas anderes abgemacht haben, sondern dass das Vorhaben immer weiter nach vorne (oder hinten) geschoben wird. Verschoben und vielleicht gar aufgeschoben. Die Gründe sind endlos. Und alles scheint immer viel spannender zu sein als der eigentliche Plan.

Der Frust wächst proportional zur Verschieberitis (in der Fachsprache Prokastination genannt), die eigenen vier Wände erinnern einen ständig an die Pflichten und so richtig entspannt haben Sie sich schon länger nicht mehr. Wenn Grümpel und Angesammeltes Überhand nehmen, träumen Sie vielleicht sogar schon davon, wie eine frühere Kundin von mir.

Was können Sie tun, um aus dem Schlamassel auszusteigen? Nehmen Sie sich kleinere Einheiten vor! Statt sich das Ziel zu setzen, die ganze Wohnung oder gar das ganze Haus auf Vordermann zu bringen, beschränken Sie sich auf einen Raum, einen Schrank, eine Schublade. Das mag lächerlich klingen, wichtig ist, dass es funktioniert. Und das tut es. Oder Sie setzen sich eine Zeitlimite von z.B. einer Stunde. Und hören dann auf. Nach dem Motto, lieber eine kleine Einheit erledigt, als gar nicht begonnen. Probieren Sie’s aus.

Mylène Alt – der Personal Coach für Ihr Business & Zuhause

Mehr Platz ≠ mehr Ordnung

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„Wenn ich nur mehr Platz hätte,“ stöhnen viele Menschen „dann wäre mein Problem gelöst.“ und schauen mich erwartungsvoll an oder machen eine kunstvolle Pause am Telefon, damit ich meine Zustimmung geben kann. Zusätzliche Zimmer hervorzaubern ist mir bis anhin nicht gelungen und ehrlicherweise denke ich nicht, dass es des Problems Lösung wäre.

Vordergründig ja, denn es entsteht neuer Raum. Die Realität schaut ein bisschen anders aus. Und wenn Sie das tun, was Sie schon immer getan haben, werden Sie auch ähnliche Resultate ernten. Aufs Aufräumen bezogen heisst das, der Anreiz, Bestehendes auszumisten und zu überdenken ist gleich Null. Im Gegenteil: Neuer Platz verlockt dazu, noch mehr und Neues anzuschaffen und ein paar Monate später schaut die ganze Wohnung (inklusive zusätzlich erfolgreich manifestiertem Zimmer) wieder gleich aus. Als ob Sie ein Foto an der oberen Ecke packen und mit der Maus vergrössern, zoomen. Mehr vom Gleichen.

Wenn es so nicht geht, muss es eine andere Lösung geben. Und die gute Botschaft ist – es gibt sie.

BüroProjekt Mylène Alt
Arbeitsplatz- und AufräumCoach für die ganze Schweiz – und dank skype grenzenlos für Sie da.